Über ein Jahr Tiny House - was hat sich getan?

Ich bezeichne mein Tiny House mittlerweile als Lebensraum und nicht mehr als Wohnung, alias Aufbewahrungsstätte für Menschen und Dinge. Das liegt daran, dass die Tür aus dem Haus direkt auf die Holzterrasse führt. Hier findet mein Leben zu großen Teilen statt, denn die Terrasse ist Sitzmöglichkeit, Beobachtungspunkt für Flora und Fauna sowie Grillstation in einem.

Und damit kommen wir schon zu einer der Neuerungen im Jahr 2019. Trotzdem ich ein fahrbares Haus habe, bin ich mit dem Umzug im März (siehe dazu "Messe New Housing - Tiny House Festival 2019 in Karlsruhe") so etwas wie heimisch geworden. Nach der Messe New Housing im Mai habe ich die Parzelle auf dem Campingplatz zu meinem ganz persönlichen Lebensraum umgestaltet. Kern dieser Umgestaltung ist die Terrasse, die ich aus Paletten gebaut habe. Warum Paletten? Zwei Gründe sprechen dafür. Zum einen habe ich mir zum Ziel gesetzt, alles, was ich besitze, mit PKW, Anhänger oder einem Transporter bewegen zu können. Damit schied eine fest gebaute Terrasse aus Stein oder ähnlichem aus. Zum anderen treibt mich der Nachhaltigkeitsgedanke um. Ein Kollege hatte mir erzählt, dass er vier Europaletten im Garten liegen hat, die er nicht mehr benötigt. Also befreite ich ihn von dieser "Last". Weitere vier Paletten erwarb ich auf einer großen Plattform für Kleinanzeigen. Für kleines Geld tauschte der Besitzer die Paletten gegen mehr Platz ein. Im Baumarkt kaufte ich dann Holzfliesen in der Größe 40x40 cm. Die Paletten haben ein genormtes Maß von 80x120 cm - der Rechenkünstler wird herausfinden, dass sechs Holzfliesen exakt auf eine Palette passen. Somit ist jede der Paletten für sich transportierbar, ohne dass ich sie von den Holzfliesen befreien muss. Das ist also meine Lösung :-) Eine der Paletten ziert nun den Eingangsbereich meines Hauses, sechs weitere dienen als Terrasse und die übrige Palette wurde zum Blumenbeet für Bienenfutter umfunktioniert.

Doch auch im Inneren des Tiny Houses hat sich einiges verändert. Im Küchen-/Wohnbereich hatte ich anfangs einen stinknormalen Kühlschrank, neben den sich der offene Kleiderschrank gesellte. Ich bevorzugte damals einen offenen Schrank, weil ich damit sofort sehen konnte, welche der Gegenstände in Benutzung sind und welche einfach nur herum liegen. Trotzdem habe ich ihn her gegeben. Warum? Nun, die Antwort liegt in der Ästhetik, die in dem kleinen Raum für mich mindestens genauso wichtig ist, wie die Nutzbarkeit eines Gegenstands oder eines Möbelstücks. Der Wohnraum meines Hauses ist per se offen gestaltet. Ich habe viele Regale, in denen das Geschirr oder andere Gegenstände gut sichtbar aufbewahrt werden. Kern des Wohnraums ist das hohe String-Regal in der Mitte. Offenes Regal im Wohnraum und offenes Regal als Kleiderschrank waren mir auf Dauer doch ein bisschen zu viel. Ich habe dann abgewogen, ob ich mich lieber vom String-Regal oder vom Kleiderschrank trennen möchte. Die Wahl fiel auf den Kleiderschrank, den ich kurzerhand durch einen Spind ersetzte. Der Spind hat meiner Meinung nach mindestens genauso viel Charme wie der Kleiderschrank und bietet genauso viel Stauraum - nur deutlich kompakter. Kompakter ist auch der neue Kühlschrank. Ich habe ganz bewusst einen kleinen, dafür stylischen Kühlschrank gewählt. Zum einen brauche ich nicht wahnsinnig viel Platz für gekühlte Lebensmittel. Zum anderen habe ich auf ein Eisfach verzichtet. Alles in allem habe ich nun einen gut aussehenden Kühlschrank, der aufgrund seiner geringen Größe nur wenig Strom verbraucht.

Zwischen Kleiderschrank-Spind und Kühlschrank haben kleine Flugzeug-Container ihren Platz gefunden. Diese sind mein Stauraum für Lebensmittelvorräte. Sie sind nicht nur schmal und stapelbar, sondern bieten auch den Vorteil, dass ich sie im Falle eines Umzugs einfach am oben angebrachten Griff packen und durch die Gegend tragen kann. Nicht zuletzt geben diese Möbelstücke meinem Lebensraum einen ganz eigenen Charakter.

Die kleinen Metallwürfel eines großen schwedischen Einrichtungshauses, von denen ich einige im gesamten Haus verteilt hatte, sind mittlerweile hochwertigen Würfeln einer dänischen Designschmiede gewichen. Das Tiny House an sich ist eine gelungene Symbiose von Metall (Trailer) und Holz (Aufbau). Dies spiegelt sich in den kleinen Schränkchen auf wunderschöne Weise wieder und für mich sind mittlerweile ein absoluter Blickfang.

Die jüngste Neuerung im Bereich der Möbel ist das Daybed aus den 50/60er Jahren. Zu Beginn hatte ich ein Knoll-Sofa mit zwei drehbar gelagerten Sitzelementen. Dieses Sitzmöbel war toll. Nur hatte es einen Nachteil: sobald die Sitzelemente zur Liegefläche gedreht waren, tat sich ein Querspalt in der Mitte des Sofas auf, den ich auf Dauer als unbequem empfand. Nun hätte ich die Möglichkeit gehabt, das Sofa aufpolstern zu lassen. Mit 600 bis 800 Euro war mir das allerdings zu teuer (einfach nur eine ehrliche Aussage!). Also entschied ich mich dafür, das Sofa an jemanden zu verkaufen, der es unbedingt haben wollte. Dann bin ich über das Daybed von Auping gestolpert. Und das ist mit seinem Metallrahmen und dem Metallgeflecht als Federrahmen eine Wohltat für den Rücken. Die Farbkombination ist eine Wohltat für die Augen und dieses Möbelstück komplettiert das Haus nun vollends.

Daneben hat sich auch im Bereich der Technik etwas getan. Im Winter 2018/2019 habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Batterie bei wenig Sonnenlicht nicht ausreichend mit Energie versorgt wurde. Das lag daran, dass ich einen ineffizienten Laderegler verbaut hatte. Den habe ich durch einen MPPT-Laderegler ersetzt und gleichzeitig noch ein Ladegerät organisiert, das in der Lage ist, die Batterie mit der Speicherkapazität von 230 Ah wieder zu regenerieren. Für den Notfall bin ich also mit dem Ladegerät gewappnet. Ob ich das noch benötige, weiß ich allerdings nicht, denn der neue MPPT-Laderegler nutzt beinahe jeden Lichtstrahl aus, der auf die Photovoltaik-Platten trifft. Die Batterie wird seitdem sehr effizient geladen und bevor ich in den Urlaub gefahren bin, habe ich etwa zwei Monate lang auf Landstrom verzichtet und mich vollkommen selbst versorgt - was Strom angeht. Bei dieser Selbstversorgung habe ich die Erfahrung gemacht, dass einige Geräte nicht oder anders funktionierten, als mit "normalen" Strom. Eine Lampe flackerte stark, der Kühlschrank war extrem laut und die WLAN-Steckdosen (ja, Komfort muss sein) funktionierten gar nicht. Warum? Weil ein Spannungswandler von Solartronics verbaut war, der zwar robust ist, aber keine reine Sinuswelle an Spannung auf die Steckdosen gibt. Also Spannungswandler ausgetauscht und alles funktioniert :-)

Der kritische Leser wird nun festgestellt haben, dass ziemlich viel "neu" ist und dass am Anfang des Textes das Wort Nachhaltigkeit auftauchte. Beides scheint nicht zusammen zu passen und dem würde ich zunächst Recht geben. Der nachhaltigste Konsum ist der, der nicht stattfindet. Doch ich möchte anmerken, dass alles, was aus dem Haus heraus gegangen ist, über einen Marktplatz verkauft wurde. Sprich: alle Gegenstände haben ein zweites Leben. Gleichzeitig sind viele der neuen Gegenstände ebenso von diesem Marktplatz gekommen - also der Spind, der Spannungswandler und sogar das Daybed, welches von Hand aufgearbeitet wurde.

Für all jene, die nicht auf der Messe New Housing waren und die meine Antwort auf die Frage, ob ich das Haus wieder so bauen würde, würde verpasst haben, gibt es hier eine kurze Zusammenfassung: ich würde das Haus immer wieder so bauen - sprich das Bett in das Podest unter Bad und Küche verlagern. Dort ist es gut verstaut und gibt meinem Lebensraum den Charakter, den er heute hat. Hätte ich die Möglichkeit auf vier Meter Höhe zu bauen, würde ich im oberen Teil des Hauses ein Arbeitsloft unterbringen, von dem ich meine Füße in den Raum baumeln lassen und den Raum von oben betrachten und genießen kann. Allerdings habe ich am eigenen Leib erfahren, dass die 3,50 Meter Höhe auch ihre Vorteile haben: auf Campingplätzen muss das Haus nicht zwangsläufig am äußeren Rand stehen. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil! Ja, ich würde das Haus wieder so bauen (lassen)!


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