Unstrut-Radweg

Radwandern an der Unstrut, Oktober 2014

Es soll eine Wochenend-Tour werden. So treffe ich mich mit einem Bekannten in Thüringen. Die Tour soll uns von Mühlhausen (Thüringen) nach Naumburg führen.

Gegen 21:30 Uhr kommen wir in unserer Unterkunft an, das Weinbergschlösschen in Mühlhausen. Vorsichtig betreten wir das Gebäude. Es erwarten uns drei Personen: Die Wirtin, die Hilfskraft und der Sohn der Wirtin. Die 72-jährige Wirtin ist schon ganz „scharf“ auf uns – oder besser gesagt, sie erwartet uns schon sehnsüchtig. Die Unterhaltung unter uns fünfen wird direkt witzig, nachdem die Wirtin des Hauses uns ein kleines Pils ausgibt. Anschließend teilt uns die Hilfskraft unmissverständlich mit, dass das Abendbrot fertig sei. Es gibt reichlich Auswahl: Wiener Würstchen und Kartoffelsalat. Man kann aber nicht meckern. Der Salat ist aus eigener Herstellung – nur leider schon alle, als ich nach einer weiteren Portion frage. Aber der ist nicht einfach nur alle. Nein! Den aller letzten Löffel hat die Hilfskraft vernascht. Na gut, es sei ihr gegönnt.

Weitere zwei Pils und einen Aquavit später machen wir uns auf den Weg zum Stadtrundgang. Mühlhausen hat eine fantastische Altstadt zu bieten. Wir sind regelrecht beeindruckt. Mehrmals höre ich neben mir: WOW. Wir kehren noch in einer alten Ritterstube ein. Es gibt ein Weizen sowie einen Schnaps nebst Cola. Ein toller Abend! Ein toller Beginn eines grandiosen Wochenendes.


Etappen

Tag Etappe Entfernung
Tag 1, 17.10.2014 Mühlhausen – Sömmerda 73,94 km
Tag 2, 18.10.2014 Sömmerda – Memleben 68,07 km
Tag 3, 19.10.2014 Memleben - Naumburg 42,93 km

Tag 1: Mühlhausen nach Sömmerda

Der Tag startet irgendwie verkatert. Das Frühstück ist hergerichtet, genauso wie die dunklen Wolken, die irgendjemand an den Himmel gehängt hat. Die fiesen Wolken am Himmel zwingen uns doch tatsächlich dazu, die heiß geliebten Regenhosen anzuziehen. Kaum fahren wir aus Mühlhausen raus, reißen wir uns die Schwitze-Hosen auch schon wieder vom Leib. Den Ausgangspunkt der Route zu finden gestaltet sich als dezent schwierig. Irgendwie besteht Mühlhausen nur aus Einbahnstraßen und Fußgängerzonen. Nunja, es scheint ja zu funktionieren. Es will regnen, oder auch nicht. Egal. Wir ziehen unsere Bahnen und halten bei der ersten Landmetzgerei an. Schnitzelbrötchen und Milch für mich. Hackepeterbrötchen und Milch für meinen Mitradler. Danach läufts. Neben den Rädern läuft im Übrigen auch der Dreck an unseren Hosen herunter. Puh sind wir dreckig nach dem Stück Feld- und Waldweg. Im tegut, den wir in irgendeinem Ort finden, kaufen wir Obst und ganz wichtig: Mein Mitradler fragt nach der Chefin der Bürstenabteilung. Nach Obst und Bürste läuft es dann wie geölt. Auf dem folgenden ca. 5 bis 7 km langen Stück düsen wir mit einer Geschwindigkeit lang, die zwischen 25 und 30 km/h pendelt. Menschen und Landschaft nehmen wir nur noch bedingt wahr.

In Sömmerda angekommen suchen wir nach dem Hotel Thüringer Hof. 15 Uhr checken wir ein. Mein Mitradler hatte es anders in Erinnerung. Scheint aber ein anderes Hotel gewesen zu sein. Der Fluss ist durchaus noch ein paar Meter entfernt. Aber egal. Der Wirt ist ganz witzig und entführt direkt unsere Räder in den Abstellraum. Zack, weg sind sie. Wir werden dank Dusche und frischer Kleidung wieder zu Menschen und erkunden die Stadt. Kaffeeund Kuchen, juhu. Der Kuchen schmeckt… Ich entdecke das Tagesgericht der Kunstkneipe „Schwarze Katze“ und bekomme irgendwie Lust drauf. Auf der Suche nach einem Base-Cap für meinen Mitradler streifen wir durch die Stadt. Oder sollte ich sagen: Wir irren? Wir verlaufen uns? Kurz vor Ladenschluss finden wir dann auch ein Base-Cap. Dann zurück zum Hotel. Wir schauen uns die Speisekarte an und beschließen, dass uns im Hotel zu teuer ist. Also zurück zur schwarzen Katze. Beide bestellen wir was mit Klößen und Rotkohl und wir sitzen draußen. Entenbrust für mich, Gulasch für meinen Mitradler. Das Essen war hinreichend geschmacksneutral. Hätten wir die paar Euro mehr mal investiert – dachten wir zu diesem Zeitpunkt noch. Drinnen macht sich ein Gitarrist nebst 12-saitiger Gitarre ans Werk sowie eine wohl beleibte Geigerin. Sie spielt Silly, Am Fenster. Sie spielt schief. Frag nicht nach Sonnenschein. Ich wollte eigentlich noch rein und den einen oder anderen Wein trinken. Aber das Katzengejammer stimmt mich wenig milde. Mein Mitradler reagiert auf den Vorschlag auch nur, naja nennen wir es verhalten. Wir gehen dann doch rein. Die dicke Wirtin (eben noch an der Geige) singt. Was tun wir uns nur an?! Sie könnte getrost jeden Moment aufhören. Ihr Mann schrubbt an der 12-saitigen Gitarre, irgendwer links daneben auf einer normalen 6-saitigen. Irgendwer? Volker, der Star des Abends. Seine Imitationen sind schon cool. Seine Eigenkompositionen der Hammer. Und so werden aus einem Glas Rotwein durchaus mal vier. Und ich bekomm den Hals wieder nicht voll genug: Ein Würzfleisch geht noch. Na gut, eine Bratwurst samt Kartoffelsalat auch noch. Um 19 Uhr fingen die Herrschaften an zu spielen. Gegen 23 Uhr verlassen wir das Restaurant. Der Laden ist nicht besonders voll. Neben ein paar Stamm-Konsorten gesellen sich noch zwei Paare zu uns. Eines mit einem Mann, der unterwegs das Lachen verloren hat. Eins mit einer Frau, die von der Lust etwas zu viel abbekommen hat. Konzentrieren wir uns wieder auf die Musik: die ist einfach Spitze. Die beiden gehen auf unsere Wünsche ein und spielen nahezu alles. Da hätten wir zähneknirschender Weise Rio Reiser. MTS hingegen geht direkt zwei Mal von der Saite. Das rockt. Dazu noch diverse weniger jugendfreie Titel gegen 22 Uhr. Herrlich. Gegen 20 Uhr wurde übrigens Aloha He von Achim Reichel geschmettert. Kaum jemand da, aber die Bude kocht. Wir haben mit allem gerechnet, aber nicht damit. Wir gehen noch auf einen Absacker an die Hotelbar. Der Wirt entpuppt sich als Mensch mit herrlich trockenem Humor.


Tag 2: Sömmerda - Memleben

Der Tag beginnt mit einem tollen Frühstück. Die Herbergs-Mutti ist schwer bemüht und sie macht ihre Sache richtig gut. Dann ab auf den Esel. Der Radweg ist schnell gefunden. Wir kennen Sömmerda ja nun fast wie unsere Westentasche. Nach zwei Kilometern: Schock! Mein Mitradler rutscht an einem Schlackestein aus und legt sich gekonnt auf die Seite. Ich beobachte das Ganze aus luftiger Höhe und muss zugeben, dass es nicht witzig aussieht. Ganz im Gegenteil. Ich rechnete mit dem Schlimmsten. Gott sei Dank hält er den Kopf hoch, während er sich auf den Betonboden begibt.

Eine gute viertel Stunde brauchen wir, bis wir uns berappelt haben. Dann fahren wir gemächlich weiter. Im nächsten Ort (Helldrungen) treffen wir auf zwei alte Herren. Ich frage, ob es eine Apotheke gibt: Ja! Eine weitere Fragespäter haben wir dann auch eine Wegbeschreibung. Wer hätte es gedacht. Danach noch zum Lidl, um Milch zu besorgen. Und pünktlich kommt der Anruf meines besten Freundes, der sich heute noch zu uns gesellen will. In Artern treffen wir ihn. Wir machen uns auf den Weg. Erst Richtung A71, dann auf den richtigen Weg. Den finden wir Dank einer Dame nebst Kind, die Mitleid mit uns hat und uns den richtigen Weg „diktiert“. In Artern angekommen warten wir kurz auf meinen besten Freund. Kurze Zeit später trifft er ein und wir radeln zu dritt weiter. Eigentlich wollten wir eine Kleinigkeit essen. Dorf 1: keine Wirtschaft. Dorf 2: keine Wirtschaft, dafür ein alter Mann auf dem Radweg. Versteht er uns? Nein. Dann kommt ein freundliches Pärchen und weist uns den Weg zum Lambada. Nur geradeaus. Natürlich! Ein paar Damen weisen uns den Weg. Nebst Kommentar: Lass sie doch den weiter fahren (den Berg hoch).

Die Dame im Lambada macht zunächst einen zerknirschten und spaßbefreiten Eindruck. Den Grund dafür sehen wir auch irgendwann: aufgrund einer Gesellschaft ist wirklich viel zu tun. Es sei ihr verziehen. Das Bauernfrühstück ist köstlich, genauso wie der selbst gebackene Kuchen. Das alles zu Preisen, die einfach klasse sind. Mein bester Freund einen Kindereisbecher mit dem Namen „Flitzer“ erhellt dann auch die Miene der Lambada-Dame. Nach dem leckeren Essen trennen sich unsere Wege. Während mein bester Freund zum Auto zurück fährt machen wir uns auf den Weg zur Unterkunft nach Memleben. Dort angekommen werden wir freundliche empfangen und bekommen auch dem Weg zum Storchennest, dem zugehörigen Restaurant gewiesen. Hier ist das Thüringsche Essen auch wirklich lecker. Gulasch für mich, Rostbrätl für meinen Mitradler. Wir sitzen draußen. Im Oktober: Unfassbar. Dann zieht auch noch die ISS an uns vorbei. Eine Flasche Wein später gehen wir zufrieden ins Bett – jeder für sich.


Tag 3: Memleben - Naumburg

Mit bereits gepackten Sachen fahren wir zum Frühstück fassen ins Storchennest. Danach geht es ab auf die Piste. Gegen 9:00 Uhr sind wir bereits unterwegs. Es ist verdammt neblig. Das gibt dem Ganzen eine traumhafte Atmosphäre.

Durch wundervolle Landschaften geht es dem Ziel entgegen - immer an der Unstrut entlang. Gegen 10:30 Uhr entdeckt mein Mitradler eine wirklich urige Wirtschaft. Nicht nur die Schnitzereien sind einmalig. Auch der Wirt ist ein absolutes Unikat. Wir sitzen draußen, ziehen die Jacken aus und trinken Federweißen. Dazu gesellt sich eine Bockwurst samt Kartoffelsalat. Soll die Reise doch aufhören, wie sie angefangen hat! Wir sind beide glücklich. DerBlick über das Unstrut Tal ist göttlich, das Wetter ebenso. Danach geht es weiter. Ab durch Freyburg. Der Radweg füllt sich – wir fertig. Es wird warm – wir steigen ins Auto. 11:55 Uhr erreichen wir das Ziel.


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