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Eine Frage, die Umwelt betreffend...

Es ist Sonntag Abend, das Ende des Wochenendes naht. Drei Erwachsene und ein Kind haben Lust, etwas zu essen - das Wort Hunger möchte ich hier gar nicht verwenden. Wir könnten uns etwas kochen, dazu sind wir in der Lage, doch wir entscheiden uns - aufgrund von Bequemlichkeit und der aufgrund der Tatsache, dass es Menschen gibt, die beruflich kochen - etwas zu holen. Bestellung aufgegeben, hingefahren, abgeholt. Eine halbe Stunde später stehen wir also mit unserem Essen in der Hand da. Zwei Tüten, sechs Styropor-Behältnisse, die das Essen wärmen. Wir schauen uns an und stellen fest, dass es uns eindeutig zu viel Müll für das eine Mahl ist.

Sicherlich hätten wir uns auch ins Restaurant setzen und dort essen können. Dann hätte sich die Müllproduktion in Grenzen gehalten. Bequemer und gemütlicher war es daheim allemal und so haben wir uns die Frage gestellt, ob die Mitnahme zubereiteter Speisen nicht irgendwie ökologischer gestaltet werden kann. Wie wäre es denn, wenn wir vom Restaurant ein wiederverwendbares Behältnis bekommen hätten, für das wir einmalig Pfand bezahlen müssten? Die Behältnisse nehmen wir uns mit nach Hause und können sie bei nächster Gelegenheit in einem anderen Restaurant gegen Rückerstattung von Pfand abgeben oder aber gegen andere Behältnisse eintauschen. Das käme dann dem Pfandwesen in der Getränkeindustrie gleich und dazu müssten sich einige Gastronomen zusammenschließen, um einen Ring der Pfandbehältnisse zu bieten. Zusätzlich wird eine Informationsquelle benötigt, die offenlegt, welche gastronomischen Einrichtungen über Mehrwegbehältnisse für Mitnahmespeisen verfügen und natürlich muss ein passendes Behältnis gefunden werden, mit dem sich jeder teilnehmende Gastronom arrangieren kann. Kurzum: es wäre einiges zu tun.

Nach kurzer Recherche im Internet, gibt es ein Pfandsystem für Mehrweggeschirr bereits als Pilotprojekt in Stuttgart und Berlin: Pfandsystem für Geschirr - Mehweg to go
"Mit diesem System sind wir die Ersten, die mit mehreren Gastronomien arbeiten. Das funktioniert so, dass man da sein Essen mitnehmen kann, und die leere Boxen überall wieder zurückgeben kann."

Ich stelle mir die Frage, ob es für diese Lösung auch einen Bedarf in Karlsruhe gibt.? Ob es Gastronomen gibt, die ebenfalls darüber nachdenken und mitmachen wollen?
Ich würde mich freuen, wenn ich mit diesem Artikel eine kleine Diskussion lostreten würde und wenn sich die dahinter stehende Idee in irgendeiner Form entwickelt - der Umwelt zuliebe. Ich stehe auf grünen Genuss :-)

Die Zukunftsspirale

Eines vorweg, hierbei handelt es sich nicht um ein neuartiges Verhütungsmittel. Wobei, bei genauer Betrachtung verhütet diese Spirale das persönliche Glück. Ich selbst bin manchmal gefangen in meiner Zukunftsspirale. Da drehen sich meine Gedanken um etwas, was in der Zukunft sein kann. Machen wir es konkret. Eines Abends sitze ich auf meinem Stuhl, lese ein Buch, bin (scheinbar) hochgradig zufrieden, schaue meine Partnerin an und sage folgendes zu ihr: "Es wäre für mich sehr traurig, wenn es mit uns vorbei wäre." Ihre Reaktion: "Damit kann ich gerade nicht so gut umgehen, denn das setzt mich unter Druck."

Der Denkprozess, der bei mir nun in Gang kommt, ist kaum noch zu bremsen: Was? Wieso setzt es sie unter Druck? Ich habe es gut gemeint! Ich will ihr sagen, dass ich mich wohl fühle! Reicht ihr das denn nicht? So oder so ähnlich hat es sich im ersten Moment für mich angefühlt. Mit ein wenig Abstand habe ich beim genaueren Hinsehen festgestellt, dass die Formulierung eher suboptimal war. denn dahinter steckte nichts weiter als eine Angst. Und zwar die Angst vor dem Verlust dessen, was ich gerade habe. Was ich gerade habe, gefällt mir sehr gut. Natürlich möchte ich das behalten. Ich kann das "Behalten" aber nicht kontrollieren, denn wir reden hier von einer Beziehung zu einem Menschen. Und so kann ich auch nicht genießen, was ich gerade habe, denn meine Gedanken drehen sich um die Zukunft. Eine Zeit, die ich mit ihren Gegebenheiten nicht kenne und die ich überhaupt nicht beeinflussen kann. Nun war es nicht ganz leicht herauszufinden, dass es sich hier um eine Angst handelte, denn sie tarnte sich für mich als Kompliment. Mein Gegenüber antwortete offensichtlich ebenso Angst-getrieben, was nur dazu führte, dass meine Angst befeuert wurde. Herzlich Willkommen.

Nun machte ich mir ein paar Gedanken (und las ein wenig über dieses Phänomen) und bin zu dem Schluss gekommen, dass der Weg aus der Spirale so einfach wie (leider) ungewöhnlich ist. Die Angst hat ihren Ursprung. Irgendwo tief in mir sitzt der Glaube fest, nicht zu genügen. Daraus entsteht die Angst vorm Versagen. Das bestimmt meine Gedanken. Meine Gedanken führen zu Handlungen und diese Handlungen letztlich genau zu dem, was ich definitiv vermeiden möchte. Der Volksmund nennt so etwas eine selbsterfüllende Prophezeiung. Wie einfach wäre es nun gewesen, wenn ich meine Aussage mit den Empfinden aus dem Hier und im Jetzt formuliert hätte: "Es ist wahnsinnig schön mit Dir". Das beschreibt, was ich gerade in dem Moment empfinde. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und das ist doch eine ganze Menge. Der Weg aus der Spirale liegt offensichtlich im Jetzt . Nachdem ich akzeptiere, was in mir los ist, lasse ich langsam aber sicher los. Das ist einer der Schlüssel, damit die Spirale langsamer dreht oder vielleicht gar nicht mehr in Gang komme. Indem ich die Zukunft die Zukunft sein lasse, löse ich mich von den ganzen vielen Gedankenvarianten, die ich mit der Zukunft verbinden kann. Dadurch habe ich viel mehr Kapazitäten, mich auf das Jetzt zu konzentrieren. Damit kann ich viel mehr genießen, denn was ich jetzt habe, das kann mir keiner mehr nehmen. Es ist der Moment. Den halte ich in meinen Gedanken ganz fest. Jetzt, später sieht die Sache schon wieder ganz anders aus.

S-Pedelec - S wie "schnell wieder weg damit"

Was will uns dieser Titel denn jetzt sagen?! Vorweg: Am Fahrrad selbst hat es nicht gelegen. Anfang Juni diesen Jahres habe ich voller Tatendrang eine alternative Fortbewegungsmöglichkeit gesucht. Meine 20 Kilometer des beinahe täglichen Arbeitsweges wollte ich anders überwinden als mit dem Auto. Ein elektrisches Moped vielleicht? Reichweitenversprechungen von 50 Kilometer mit einer Akkuladung haben mich etwas abgeschreckt. Ich erinnere nur an die Verbrauchs- und Reichweitenangaben bei PKW. Ein Moped ist keine Option, das bekräftigt sich auch bei einem Gespräch mit einem Fachhändler für Elektromobilität in Karlsruhe. Der Händler zeigt mir eine Alternative: das S-Pedelec. Ein Fahrrad mit Motorunterstützung bis 45 km/h und entsprechender Mopedzulassung, bei dem der Fahrer trampeln muss, um auf Geschwindigkeit zu kommen.

Gesehen, gefahren, für gut befunden. Die zu erreichenden Geschwindigkeiten sind der Hammer. Dann kommen so typische Fragen: darf ich damit auf dem Radweg fahren? Muss ich unbedingt auf die Straße? Welchen Kopfschutz brauche ich für das Gerät? Fragen über Fragen. Das Internet behält noch mehr Antworten parat. Und allesamt widersprechen sie sich. Die einen sagen: Ja klar darfst Du außerhalb geschlossener Ortschaften auf den Radweg. Nein sagen die anderen, denn Du hast ein Kleinkraftrad. Ja, Du darfst auch innerhalb geschlossener Ortschaften den Radweg nutzen, wenn er für Mofas freigegeben ist. Nein sagen die anderen, denn es ist kein Mofa sondern fährt 45 km/h. Ein Fahrradhelm reicht, sagt man. Das Gesetz spricht allerdings von einem geeigneten Schutz, der (wie manch einer ahnt) kein Fahrrädern ist. Auf Waldwegen darf ich fahren. Oder eben auch nicht. Schon gar nicht, wenn das Schild prangt: Durchfahrt für Kraftfahrzeuge aller Art verboten (oder so ähnlich).

Leute, es ist ein Fahrrad. Ich bin ein (wie ich meine), rücksichtsvoller Mensch und habe mich das ein oder andere Mal gesetzeswidrig verhalten, da ich mit dem S-Pedelec durch den Wald gefahren bin. Okay! Jedes Mal, wenn ich anderen Radfahrern begegnet bin, habe ich die Geschwindigkeit gedrosselt, damit sich niemand erschreckt und sich niemand gestört fühlt. Niemand? Doch, den einen oder anderen (neidischen) Nörgler gibt es dann doch. Jene Nörgler, die sofort mit Anzeige drohen, weil ich illegalerweise mit einem Fahrrad auf Waldwegen fahre und mein Leben nicht den SUVs oder Überschallsportwagen auf den Straßen dieser Welt anvertraue. Jene Führer von rollenden Kapseln, die den Unterschied zwischen einem normalen Fahrrad und einem Fahrrad mit Straßenzulassung nicht erkennen. Die Benutzung des Fahrradwegs anstelle der mehrspurigen Straße war jedes Mal aufs Neue eine kleine Zitterpartie, weil ich nie wusste, wer sich nun wieder auf den Schlips getreten fühlte. War? Ja, war, denn ich habe mich von dem Gefährt schweren Herzens wieder getrennt. Warum? Weil mir die Widerstände zu hoch sind. Weil die Regelungen klar unklar sind. Weil ich das Kennzeichen nicht abschrauben und in der Tasche bei mir führen möchte. Ich bin umgestiegen: auf ein normales Pedelec, weil ich die Motorunterstützung auf dem Weg zur Arbeit nicht mehr missen möchte. Dafür geht es jetzt langsamer. Und ja, ich ziehe auch ab und an in Erwägung, wieder das Auto zu nutzen, da mir meine Zeit dann doch kostbar ist. Dabei wäre es so einfach: Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Fahrradwegen. Jedes (S-)Pedelec hat einen Tacho. Jeder Fahrer eines S-Pedelecs einen Führerschein und kennt somit die Regeln des Straßenverkehrs und ist damit (hoffentlich) in der Lage, Schilder zu erkennen und zu verstehen und seine Geschwindigkeit anzupassen. Warum also passiert nichts? Alternative Formen der Fortbewegung sind offensichtlich nicht gewünscht, schon gar keine, die das Auto in ihrer Bedeutung ersetzen können. Das Verkehrsministerium kümmert sich offensichtlich lieber um die Diesel-Affäre. Sorry, da fehlt noch ein "nicht" im vorhergehenden Satz. Ich bin jetzt wieder langsamer unterwegs - schade, es hätte schön werden können, mit uns, liebes S-Pedelec. Beinahe hättest du ein Auto ersetzt.

(K)Ein Leben (mehr) in Hektik

Dieses Jahr schreibe ich recht wenig über Fahrrad und Touren. Das liegt daran, dass mir etwas "dazwischen" gekommen ist. Ich nenne es Leben! Am vergangenen Wochenende habe ich mir eine Auszeit genommen. Der ein oder andere denkt nun an Urlaub. Im Prinzip war es das auch, denn es war eine Art Urlaub für mein Hirn. Bevor ich vorweg gleich zu viel verrate, eins nach dem anderen.

Freitag Abend sind wir zu einer entsprechenden Einrichtung in die Nähe von Würzburg gefahren. Nach dem Abendessen, welches bereits im Schweigen eingenommen wurde, wurden sämtliche Regeln für die kommenden eineinhalb Tage erklärt. Früh morgens klappert jemand mit zwei Hölzchen und die ganze Meute begibt sich in ein Rondell, um schnell im Kreis zu laufen. Danach geht es in einen großen Saal und auf Kommando setzt sich jeder hin. Nach dem Sitzen im Schweigen wird langsam gegangen, danach wird eine Glocke geschlagen und alle gehen zum Speisesaal. Eifriges Geklapper mit dem Geschirr und dem Besteck und wenige Minuten später ist alles Essen verputzt. Danach Pause, Klappern mit den Hölzern, ... Das Ganze wiederholt sich mehrere Male. Soweit meine nicht ganz ernst gemeinte Rezension zum Wochenendseminar "Zen-Einführung" am Benediktushof. Sollte es den einen oder anderen an das Leben des Deutschen liebsten Vierbeiners erinnern, so kann es sich dabei nur um einen Zufall handeln. Dieses Vorgehen hatte jedoch seinen Reiz: ich hatte keinerlei Verantwortung, musste mich um nichts kümmern und konnte mich so voll und ganz auf mich selbst konzentrieren. Und so stellte sich selbst banales Laufen im Kreis beim genaueren Hinsehen als ein kleines Abbild des großen Lebens dar. Eine unstrukturierte Masse setzt sich in Bewegung. Jeder hat einen vorgegebenen Rahmen, in dem er sich bewegen kann und doch findet jeder seinen ganz persönlichen Weg. Es geht nicht um Geschwindigkeit. Es geht nicht um ein Ziel. Es geht nur um das Laufen an sich. Manchmal waren soviele Menschen vor mir, dass ich scheinbar keinen Ausweg sehe. Kurze Zeit später (Beharrlichkeit) findet sich ein Weg.

Das Essen, welches mir angeboten wurde, war einfach, puristisch, vegetarisch. Ich habe ehrlich gesagt schon einige gute Ma(h)le gespeist. In dieser Umgebung hat dieses einfache Essen einen besonderen Reiz auf mich gehabt. Gebratene Kartoffeln (vermutlich frisch vom Feld), dazu etwas Gurkensalat und Kräuterdipp. Perfekt. Es hatte alles einen intensiven Geschmack und ich war in jenem Augenblick einfach nur glücklich, denn mehr habe ich nicht gebraucht. Wie oft habe ich ein Essen fotografiert, weil ich es vom Geschmack und von der Optik her toll fand. Im Schweigen habe ich mich auf das Essen und seinen Geschmack konzentriert. Keine Ablenkung. Nur das Essen und ich. Das führt dazu, dass ich das Bild des Essens immer noch vor meinem inneren Auge habe. Sollte ich mir im Alltag vielleicht mehrerer solcher Situationen schaffen, in denen ich mich voll und ganz auf eine Sache konzentrieren kann? Und sollte ich nicht darüber nachdenken, ob der ganze Überfluss, in dem wir leben, der richtige Weg ist? Ja, ich sollte. Und ich tu es!

Beim Sitzen im Schweigen zählt nur der eigene Atem, auf den ich mich konzentrieren sollte. Gelang es am ersten Abend noch sehr gut, habe ich nach diversen Sitz-Sessions am zweiten Tag doch meine Probleme gehabt. Was war los? Da war dieses eine Lied, das sich immer wieder in den Kopf geschoben hat. Da waren Gedanken an die Zukunft. Da waren Gedanken an meine Oma - huch, wo kommen die denn jetzt her, ist sie doch bereits seit beinahe 15 Jahren nicht mehr unter uns. Das Gedankenkarussell drehte und drehte sich und ich war munter dabei, meine Gedanken zu kategorisieren. Stille ist dabei nur in den seltensten Fällen eingetreten. In meinem Kopf ist immer was los. Bis zu dem einen Zeitpunkt, an dem ich es geschafft habe, meine Gedanken kurzzeitig in eine gedachte Kiste zu sperren. In dieser Kiste konnten sie da sein. Ich habe sie nicht verbannt, sondern ich habe ihnen Raum gegeben. Das war eine schöne Erfahrung, denn kurzzeitig war das Geplapper im Kopf sehr leise. In diesem Moment war ich ganz bei mir und dieser kurze Moment hat ausgelöst, dass die Sitz-Sessions am Wochenende nicht die letzten waren.

Beim genaueren Hinsehen habe ich Ähnliches bereits beim Fahrrad Fahren erlebt: gerade meine erste Tour durch Südschweden war für mich beinahe im Schweigen, denn ich verstehe kein Schwedisch. Radfahren in Schweden ist jetzt auch nicht das Mega Event, sodass die Radwege leer sind und ich größtenteils für mich alleine war. So gab es meditative Zustände beim Radfahren - und so haben wir die Verbindung zu diesem Artikel. Ich habe ähnliches erlebt und gerade laufen mal wieder alle Fäden zusammen. Nicht durch Zutun, sondern durch sein. Während ich auf dem Fahrrad gesessen habe, habe ich das Jetzt gespürt, den Augenblick. Das Surren der Räder, den Wind, die Landschaft. Das war mein Jetzt in Schweden, das waren meine Momente. Mein aktuelles Jetzt ist im Schreiben. Im Schreiben genau dieses Artikels. Das bin gerade ich. Ich bin nicht der Radfahrer, ich bin kein Mensch, der sich über eine Berufsbezeichnung definiert. Ich bin kein Mensch, der sich über das Auto, was auf der Straße steht oder den Besitz, den ich um mich herum angehäuft habe, nein, ich bin ein schreibender, atmender Mensch. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Und Du, der da gerade diesen Artikel liest, Du bist ein lesender Mensch. Das ist Dein Jetzt, Dein Augenblick. Dein Leben. Viel Spaß beim Genießen!

Mache ich es mir zu leicht, wenn ich weiß, dass ich alles selbst in der Hand habe?

Seit Jahren fahre ich Falträder. Kaum hatte ich eines, habe ich nicht nur viele derer gesehen sondern kam auch mehr und mehr mit Menschen ins Gespräch, die Falträder schätzen oder sich dafür interessieren. Kaum hatte ich ein Dachzelt, fielen mir diese wuchtigen Gestalten auf den Autodächern mehr und mehr auf und auch bei diesem Thema werde ich regelmäßig in Gespräche verwickelt. Seit einigen Monaten befasse ich mich damit, wie ich ein glückliches Leben führen kann. Kaum beschäftige ich mich mit diesem Thema, treffe ich regelmäßig auf Menschen, die auf den gleichen Pfaden wandeln. Woran liegt das? Ist der Blick geschärft? Waren all diese Menschen bereits vorher da und ich habe es nur nicht gemerkt? Ich weiß es nicht, es ist aber wahnsinnig spannend.

Vor Kurzem war ich zu einem Brunch eingeladen. An diesem Brunch haben Menschen teilgenommen, die ähnlich denken oder die ähnliches bewegt - zumindest zeigten das die Gespräche bei Tisch. Sie waren geprägt von den Themen Achtsamkeit, Kommunikation ohne Schuldzuweisung gepaart mit ziemlich viel Witz und Humor. Dabei ist mir aufgefallen, dass ein Großteil der Menschen vor Ort einfach nur in sich ruhte. So kam ich auch runter und wurde ruhig. Ich lebte im Hier und im Jetzt. Es war einfach nur ein schöner Nachmittag inmitten von Menschen, die ihr Leben leben. So festigte sich eine Erkenntnis, die ich im Laufe der letzten Monate gewonnen habe: ich habe mein Glück selbst in der Hand. Und zwar nur ich.

Daran schließen direkt ein paar Fragen an: wenn es doch so "einfach" ist, glücklich zu sein, warum wirken dann so viele Menschen unglücklich? Begegne ich einigen von diesen scheinbar unglücklichen Menschen mit meiner Erkenntnis, heißt es durchaus: "Du machst es Dir zu leicht" oder "Ganz so leicht ist es dann doch nicht." Doch ist es. Und natürlich mache ich es mir leicht. Warum sollte ich mir meinen eigenen Weg auch schwer gestalten? Der Mensch ist doch von Natur aus eher, naja, faul? Wie dem auch sei, ich erkenne für mich keinen Sinn darin, es mir schwerer als nötig zu machen. Und so lebe ich nach dem Prinzip, dass ich mein Glück selbst in der Hand habe. Ich nehme die Dinge wie sie sind: meist nicht so tragisch. Das Leben ist schön. Weil ich es dazu mache!

Wann ist ein Mann ein Mann?

Bedingt durch mein wunderschönes Umfeld, begann ich mich mit den geschlechterspezifischen Unterschieden in Sachen Beziehung zu befassen. Für mich eines der spannendsten Themen überhaupt, denn nichts gibt mir mehr als die (emotionale) Interaktion mit Menschen. So stelle ich mir tatsächlich die Frage, was dazu führt, dass sich Beziehungen zu Frauen bisweilen schwierig gestalten, weil sich Männer emotional distanziert verhalten, damit sie ihr Bild von Unabhängigkeit und damit vom starken Geschlecht nicht verlieren.

Ich selbst habe als Kind die Erfahrung machen dürfen, dass man über mich lacht. Warum? Ganz einfach: weil ich mich in einem Gefüge namens Familie zurecht gefunden habe, weil ich mich unterordnen konnte und damit kein Alphatier war. Weil ich mich in Gruppen wohlgefühlt habe und durchaus gern dafür gesorgt habe, dass es den Mitgrüpplingen gut geht. Das führte bei einigen Familienmitgliedern zur Äußerung, ich sei weich. Damals habe ich nicht verstanden, was passiert. Noch weniger habe ich verstanden, was solche Äußerungen im späteren Verlauf mit einem machen - Selbstzweifel. Durch verschiedene berufliche wie private Stationen in meinem Leben, durch viele Gespräche und letztlich durch das sonderbare Gefährt namens Faltrad und die damit durchgeführten Radtour habe ich gelernt, mich zu akzeptieren und bin mittlerweile gegen derartige Kommentare immun.

Doch was heißt es, weich zu sein? Bin ich weich, nur weil ich Gefühle zulasse? Bin ich weich, weil auch ich als Mann emotional sein kann? Weil ich Nähe und Zuwendung brauche, wie jedes andere Wesen auch? Was macht mich zu einem Mann? Ist es die sachgemäße Führung des Hammers? Die Fähigkeit, eine Wand zu tapezieren? Macht es mich zu einem Mann, wenn ich mit Ellenbogen meine Interessen durchsetze?

Ich kann für mich keine der genannten Fragen mit gutem Gefühl beantworten, denn es verfestigen sich sofort Gedanken der Ellenbogen-Mentalität in der Gesellschaft. Abgesehen davon stehe ich mit geschlechterspezifischen Klischees voll und ganz auf Kriegsfuß. Eine Frau gehört nicht an den Herd und ein Mann muss nicht den Helden spielen. Ganz ehrlich: Gibt es nicht für jeden von uns einen Heimathafen, in dem wir uns wohl fühlen? Wenn ich abends nach Hause komme, dann freue ich mich auf einen Menschen, dem ich vertraue. Einen Menschen, dem ich vorbehaltslos alles erzählen kann, weil er mich akzeptiert und nicht vorverurteilt. Einen Menschen, der mir zuhört, mich ernst nimmt und - oh Wunder - mir sogar Emotionen entgegen bringt. Bin ich deswegen weniger Mann, weil ich genau darauf stehe? Wenn ich mich in der Arbeitswelt umschaue, dann gibt es durchaus die Menschen, die massiv ihre Interessen durchsetzen. Mal mehr, mal weniger freundlich. Mal männlich hart, mal so, dass man sich abgeholt fühlt. Ganz ehrlich? Variante zwei gefällt mir deutlich besser. Mit diesen Menschen arbeite ich eher und lieber zusammen, weil ich weiß, dass sie mich verstehen und gleichzeitig baut sich ein Wir-Gefühl auf. Genauso, wie im kleinen Kreise daheim. Das ist es, was für mich zählt. Und so bin ich ein Mann, weil mir mein Geschlecht von Hause aus mitgegeben wurde und weil mich rein körperlich etwas von einer Frau unterscheidet. Das und nur das kennzeichnet für mich den Mann. Weder die Gefühlslosigkeit, noch die Härte, noch meine Unabhängigkeit und schon gar keine gesellschaftlichen Zwänge.

Ein Leben in Bewegung

Was heißt das? Was steckt dahinter?

Wie vieles im Leben, passiert bei mir relativ viel spontan. Genauso spontan ist dieser Slogan meiner Webseite entstanden, die vor etwas mehr als einem Jahr das Licht der Welt erblickte. In diesem einen Jahr ist ein bisschen was passiert.

Schauen wir es uns kurz an. Bezog ich den Slogan einst nur auf die (kleinen) Räder, auf denen es sich gut bewegt und auf denen ich verstärkt seit dem Jahr 2015 die Welt erkunde. Sicherlich spielten Fahrräder auch vorher eine Rolle, aber nicht solch eine entscheidende. Denn die Räder bedeuten Freiheit. Zwei herbe Enttäuschungen im Jahr 2015 führten dazu, dass ich meinen damalig verspürten Frust in knapp über 1.000 km abstrampelte. Dazu sollte nicht unerwähnt bleiben, dass eine Enttäuschung unmittelbar auf der Fahrt nach Budapest erfolgte. Gerade hier habe ich gelernt, wie schön es ist, wenn man sich selbst vertrauen kann, wenn man sich an den eigenen Haaren aus einem Sumpf heraus ziehen kann. Solche Erlebnisse führen wohl unbewusst zu einer Stärke.

Und so baute ich mein Leben um. Schritt für Schritt. Das begann mit der Entrümpelung meiner Wohnung. Eine deutsche Band sang es vor Kurzem sehr treffend: Denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck. Überträgt man das aufs gesamte Leben, so habe ich festgestellt, dass Besitz belastet. Ja, er schränkt mich sogar in meiner Handlung ein. Mittlerweile bin ich von Mainz in die Nähe von Karlsruhe gezogen. Ein Leben in Bewegung :-) Habe ich zuvor drei Zimmer bewohnt, sind es nur noch zwei - und es ist immer noch zu viel Zeugs da. Was nicht zu viel ist, sind meine drei Räder. Oftmals bekomme ich den Eindruck vermittelt, ich müsste mich für die Anzahl und deren Einsatzzweck rechtfertigen. Jedes dieser Räder war ein spontaner Kauf, eine Bauchentscheidung. Und wieder einmal fügte sich alles, so wie sich alles im Leben fügt: Während das Tern Verge mein 20 Zoll Reiserad ist, macht das Eclipse P20 einfach nur Spaß und zaubert mir ein Grinsen ins Gesicht. Das Brompton liegt immer im Auto oder begleitet mich auf Städtetrips. Das ist meine Freiheit!

Im letzten Jahr habe ich mich mit so vielen Menschen unterhalten und dabei festgestellt, wieviele Menschen unterschiedlich große Päckchen durch die Gegend tragen: Manch einer kontrolliert alles und jeden. Ein anderer steht sich selbst im Weg und kann ohne ausgiebige Planung keine Entscheidung treffen. Anderen Menschen ist der Genuss von Glück nicht gewährt, weil sie sich davor fürchten, wieder verlassen zu werden und zu leiden. Ich kann das Leben leben, was ich leben möchte und ich habe das große Glück, Bauchentscheidungen treffen zu können. Offensichtlich vertraue ich mir mehr, als ich es je für möglich gehalten habe.

Diese Erkenntnisse sind nicht zuletzt durch meine Partnerin entstanden, die von ganz allein in mein Leben kam, die mich gewähren lässt, die nicht an mir herumbastelt. So stehen Themen wie Akzeptanz und Toleranz ganz oben auf der Tagesordnung. Nicht nur zwischen zwei Menschen. Mit dem Ausbruch aus dem höher, schneller, weiter, dass so viele von uns prägt und belastet, habe ich meinen Weg gefunden und vor allem habe ich erkannt, wie schön es sich lebt, wenn man sich dieses Glücks bewusst ist.

Ein Leben in Bewegung.

Whiteboardmarker auf Marken-Whiteboards

Gehen Sie bitte weiter, hier gibt es Herz-Lich Will-Kommen.

Da ist er wieder, dieser Vorschlag meines Chefs. Ach was Chef, heute heißt das ja Führungskraft.
Wobei der Begriff nun auch etwas antiquiert ist. Vielleicht nennen wir ihn doch besser Manager. Denn er managt alles. Er managt meine Themen, er managt meine Urlaubsanträge, ja er managt sogar mein Wissen. Was so ein Verwalter alles verwalten kann. Herrlich.

Und weil er so toll Wissen verwalten kann, schickt er mich wieder auf eines dieser Seminare. Ein Seminar, auf dem man zeigen kann, was man nicht kann: nämlich vorne stehen und tolle Reden schwingen. Visualisieren und kommunizieren. Als wäre ich nicht visuell genug und meine Verständigung so schlecht, als dass ich es erneut bräuchte. Was hilft's, der Verwalter hat's entschieden und einen Termin gemanagt.

Hopp und ab zum Kurs in eine nicht näher zu benennende Finanzmetropole am Main. Ein Hotel soll es sein. Da prangt es schon, dieses wundervolle Schild: Ein in der Farbe Rot gemaltes Herz. Dahinter prangt ein lich. Ein Licher wäre mir jetzt lieber, irgendwie krieg ich das schon runter. Hinter dem lich das Willkommen. Nein, ich will gehen. Lieber jetzt als gleich. Doch mein Verwalter hat in seiner unendlich großzügigen Art in Vorleistung gebucht.

Was tun? Über sich ergehen lassen. Oder sich übergeben lassen?

Gleich kommt sie, die Vorstellungsrunde. Jeder erzählt, wer er ist und warum er hier ist. "Mein Name ist Christoph, ich bin in der Hundefutterverwertung, sorry -Herstellung und soll hier ein bisschen lernen, zu präsentieren". Stehen Hunde ja ungemein drauf, wenn man den Namen des Futters visualisiert. Was heißt das eigentlich? Bringe ich ihn zum Leuchten? Tanze ich ihn vor?

"Ich bin die Sabine und in der Controlling-Abteilung einer Immobiliengesellschaft." Herr Gott Sabine, was tust Du hier? "Ich soll die Zahlen ansprechend vor dem Vorstand darstellen." Aha, die Zahlen. Ansprechend. Das hier ist keine Beauty-Farm. Schlechte Zahlen bleiben schlechte Zahlen bleiben schlechte Zahlen. Da hilft es auch nix, wenn man sie rosa anpinselt und mit einem Lächeln in einer bunten Kraft-Punkt-Präsentation verpackt. Der Moderator sitzt mit seinem Klemmbrett vorn und macht sich Notizen. Was bin ich froh, dass er das Brett in der Hand und nicht vor dem Kopf trägt. Weiter geht's.

"Mein Name ist Sebastian, gelernter IT-Systemelektroniker und ich soll jetzt mehr mit Kunden…" Da empfehlen wir doch gleich mal die anonymen Deutschlernenden im Nachbar-Raum. Ganze Sätze kann man, muss man aber nicht, vollkommen richtig. "Also ich soll die Anforderungen mit den, na, den ach, den Kunden aufnehmen und dann für die annern, die das umsetzen" gähn "so machen, dass sie das verstehen." Aha, Anforderungen erheben und für die dunklen Kellergeschöpfe aka Programmierer übersetzen. Es könnte so schön knackig sein, aber der Moderator denkt auch: Lasse reden.

Vielleicht heißt er ja sogar so. Wäre ein toller Name für einen Moderator solch eines Kurses. Mein Name ist Lasse, Lasse Reden und ich lass Euch heute reden. Ha, Schenkelklopfer.

Lasse, ach man, der Moderator fasst kurz zusammen, was er erlebt hat. Und zwar mit dieser wundervollen Frage, die jetzt kommen muss: "Wie hat es denn auf Euch gewirkt?" Augenrollend lasse ich meinen Blick durch den Raum schweifen.

Juhu, da ist er. Sebastian, der IT-Systemelektroniker ist offensichtlich mit dem richtigen Bein aufgestanden und stellt fest: "Also das war echt toll, denn ich fand das echt gut, wie die andern beiden sich, also ich weiß jetzt mit wem ich hier heute den Tag. Das ist großartig" Eifrig werden die sprachlichen Ergüsse auf dem Klemmbrett fixiert.

Bevor es zu weiteren sprachlichen Ausfällen kommt, ergreift Mr. Moderat das Wort. Zu viele Fakten. Zu wenig Emotion. Zu viel aufs eigene Ich fixiert. Man eh, fixier Deine Worte auf dem Klemmbrett. Wie hättest Du es denn gern, dass ich mich präsentiere. Soll ich das aus Sicht einer Taube machen? Nun passiert es. Spannung liegt in der Luft. Ich vermute, dass gleich solch tolle Sachen wie rote Fäden in die Luft gehalten werden. Weit gefehlt. Dieser Fuchs hat doch glatt was vorbereitet: Eine Meterplanwand. Mit Wölkchen. Mit runden Karten. Mit eckigen Karten. Rote Karten. Blaue runde Karten. Grüne ovale Karten. Gelbe sechseckige Karten. Ocker-farbene halb-runde Karten. AHHHH! Und natürlich darf er nicht fehlen. Das Objekt meiner Begierde an dem meine Augen bereits hefteten: Der Moderatoren-Koffer.

Ein Koffer voller drolliger Dinge. Eben genannte Karten. Reißzwecken - machen sich hervorragend auf einem Moderatoren-Stuhl. Stifte. Dick, dünn, schwarz, bunt. Aber Obacht. Nicht jeder Stift ist für jeden Zweck. Was heißt denn hier Zweck?! Der eigentliche Zweck eines Stifts ist das Linieren. Aus manch einer Linie wird ein Buchstabe geformt. Aus anderen Linien werden Grafiken. Herz-Licher-Will-Gehen beim Visualisieren. Das Runde aufs Eckige und schon wird's ein Bild. Welcher Zweck also? Die Stifte werden hoch gehalten. Zwei verblüffend ähnliche Exemplare. Doch sie unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt: Die einen sind permanent. Also für immer. Während die anderen nur flüchtig sind. Pssst, die letzteren gehören zur Gattung der Whiteboard-Marker. Ich kann also was markieren. Christophs Augen müssten jetzt leuchten, denn Markieren gehört doch zur Grundfähigkeit eines jeden Exemplars für das er das Futter tanzen soll.

Nachdem die Stifte präsentiert wurden, stehen Übungen an. Eine frei erfundene Situation soll in Form einer Stresspräsentation vorgetanzt werden. Im Losverfahren hat Sebastian das große Glück, damit zu beginnen. Sein Thema: "Das 3-Gänge-Menü für den Hund auf Basis von Rinderragout - Fluch oder Segen?" Christoph rollt die Augen, ist es doch sein Spezialgebiet. Sabine hört nur die Zahl 3 und ist auf 180. Nur Sebastian guckt etwas erschrocken aus der Wäsche. Schon wurde der Stress präsentiert, dann sind wir ja fertig. Pustekuchen. Sebastian bekommt drei Minuten Vorbereitungszeit, um danach mindestens sieben Minuten über Fluch und Segen eines Hunde-Rinderragout-3-Gang-Menüs zu philosophieren. Na das schauen wir uns doch mal an.

Eifrig wird an den Kärtchen geschnitzt und so wird aus einer grünen sechseckigen Karte ein ganz ansehnlicher Hund mit braunen Streifen. Die hellgelbe runde Karte mutiert zum Topf, sorry zum Napf. Fertig ist die Visualisierung. Dann geht es Richtung Whiteboard, zack, Vorbereitungszeit ist um. Mit Stiften bewaffnet, an denen man sich ganz wunderbar festhalten kann, steht er schweißgebadet vor uns: Sebastian, der Mann, der uns gleich zeigen darf, was in ihm steckt. Und Action: "Modernste psychologische Hunde….ach, Hunde-Psychologie zeigt, wie wertvoll es ist…"

Lieben Dank an Christiane für die grafische Unterstützung (https://wirmussenreden.wordpress.com)


Meine Gedanken schweifen ab. Was, wenn mein Verwalter jetzt hier auftauchen würde? Würde er mir womöglich Herz-Lich zu meinem bestandenen Kurs gratulieren? Würde er sich in seiner gewohnt unnachahmlichen Art vorstellen und davon berichten, dass er als kleiner Mann auch die ganz großen Räder dreht? Dreht womöglich er alleine das ganz große Rad? Nämlich am eigenen?

Gedanken über Gedanken bahnen sich ihren Weg durch meine Synapsen, als ich aus dem Augenwinkel sehe, wie Sebastian mit dem Stift vom Whiteboard abrutscht. Gut, die Farbe Rot hält auch auf der Tapete an der Wand, an der das Whiteboard befestigt ist, das wäre nun nachgewiesen. Koordination gehört offensichtlich nicht ganz zu seinen Stärken, denn das Bild, was sich mir am weißen Board bietet ist einfach nur grauenvoll: Die mühsam zusammengebastelten Karten hängen an winzigen Klebestreifen und drohen abzustürzen. Zwischen Hund und Napf gibt es mehrere Verbindungslinien. Keine Ahnung, ob es Menschen gibt, die so dermaßen an Verlustangst leiden, dass sie das Tier sogar an den Napf ketten, aber egal. Rote Linien, blaue Linien, schwarze Linien und sogar grüne Linien. Allesamt mit mächtig vielen Pfeilen. Offensichtlich muss es Verknüpfungen geben, die mein Hirn gerade nicht auf die Ketten bekommt.

Sebastian stammelt langsam: "Und damit möchte ich mich bei ähm wegen des Zuhörens bedanken". Dann gibt es noch etwas Feedback (nein, hat an der Stelle nicht mit zurück füttern zu tun) vom Präsentations-Guru. Er lehnt sich zurück, lässt das Vorgetragene und das Spaghetti-Wirrwarr auf sich wirken, krault sein Kinn und nimmt damit die berühmte Denkerposition ein. Er schüttelt beharrlich den Kopf, bringt kaum ein hörbares Wort hervor und sagt ganz leise: "Ich muss erst mal in mich, also das Zeug hier muss weg. Wir unterbrechen für zehn Minuten und sehen uns gleich hier wieder."

Langsam setze ich mich nach vorn in Bewegung, um Sebastian unter die Arme zu greifen und das Whiteboard zu weißen. Doch er will nicht. Ok, selbst ist die IT. Er befeuchtet den Schwamm mit dem Whiteboard-Marker Whiteboard-Cleaner. Er setzt ihn an, den Schwamm. Blau, weg. Schwarz, weg, grün, weg. Rot, bleibt. Nichts anderes sehe ich und verspüre gerade den Drang, mich zu erleichtern. Ich weiß nur noch nicht so genau ob der Druck der Blase oder der Druck in der Magengegend schlimmer ist. Fest steht nur, ich will hier raus. Doch die Tür, sie öffnet sich nicht. Ich bin gefangen. Hier, im Jetzt. Und dann starre ich auf mein Blatt Papier vor der Tastatur. Auf dem Blatt: Die Buchungsbestätigung meines Seminars und eine rote Linie.

Herz Lichen Glückwunsch und bis bald im Seminar.